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Hollabrunn Aktuell


 

Inforeise Holíč – Auf den Spuren alter Mühlen


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Von 21. bis 23. September lud Hollabrunns Partnerstadt Holíč zu einer Inforeise "Auf den Spuren alter Mühlen", im Zuge des grenzüberschreitenden Interreg Projektes VISIO. Eine Delegation der Stadtgemeinde sowie Dr. Otto und Elisabeth Schöffl als Delegierte der Mühlenfreunde Österreich folgten der Einladung in die Region Záhorie, in der sich die Stadt Holíč befindet.

Der Name Záhorie hat alte Wurzeln, die bis in das 17. Jahrhundert zurückgehen. Er stammt vom lateinischen Processus Transmontanus ab, es bedeutet Land hinter den Kleinen Karpaten (hinter den Bergen - Záhorie).
Start der Reise war in Holíč. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen der Stadt datieren das Jahr 1205, damals wurde sie noch Winar - und ab 1273 Wywar - genannt. Nach einer Besichtigung der örtlichen Brauerei führte die Reise weiter in das kaiserliche und königliche Hofgestüt in Kopčany, unweit von Holíč.
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Im Jahre 1736 gründete Franz Stefan von Lothringen das königliche Gestüt, dreißig Jahre später erhob es seine Gattin, die Kaiserin Maria Theresia, zum kaiserlichen Gestüt. Anfangs wurden hier spanische Pferde gezüchtet, später wurde hier vom Kaiser Jozef II. die Zucht des englischen Vollblutes eingeführt. Nach dem zweiten Weltkrieg diente das Gestüt der Genossenschaft und die Landwirte hatten hier Heu getrocknet.
Im 20. Jahrhundert diente das Gestüt verschiedenen Zwecken - unter anderem als eine Brennerei.
Im Jahre 2001 begann die Rekonstruktion des Gestütes. In den rekonstruierten Räumen sind die Expositionen des Museums untergebracht.

Die Reise führte weiter zur Kirche der Hl. Margarete von Antiochien in Kopčany, die als eines der ältesten sakralen Gebäude in Mitteleuropa gilt - der Ausbau der Kapelle datiert in das 9. bis 10. Jahrhundert. Es handelt sich um einen Bau der vorromanischen Zeit und der Ära Großmährens. Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche umgebaut und teilweise mit gotischen Elementen ergänzt. Bis in das 18. Jahrhundert wurden hier Gottesdienste abgehalten. Dann wurde in der Gemeinde Kopčany eine Kirche direkt im Dorf erbaut und die Heiligen Messen wurden dorthin verlegt. Derzeit wird die kleine Kirche generalsaniert.
Am Nachmittag des ersten Tages stand zuerst die Besichtigung der Burgruine Korlátko auf dem Programm. Die Ruine befindet sich inmitten eines bewaldeten Terrains westlich der Kleinen Karpaten. Sie erstreckt sich auf einem Felsenvorsprung auf 455 Meter über dem Meer. Die Burg wurde etwa Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet. Als Königsburg schütze sie die Westgrenzen des ungarischen Staats. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts verfiel die Burg allmählich. Von den einzelnen Bauwerken blieben nur Überreste der Außenmauern der oberen Burg und einige Abschnitte der unteren Befestigung erhalten. Derzeit beschäftigen sich mehrere ehrenamtliche Gruppen mit der Restaurierung der Ruine.
Ausklingen ließ man den Tag anschließend mit einem Bierbad in der Brauerei Šándorf.


Der zweite Tag startete mit der Besichtigung des Habanerhofes in Sobotište. Zu sehen waren hier der Glockenturm, das Schlüsselhaus und die Mühle. Der Ausdruck Habaner ist eine Umschreibung für die ab Mitte des 16. Jahrhunderts in die Slowakei eingewanderten Hutterer.
Der Habanerhof steht seit 1996 unter Denkmalschutz (insgesamt befinden sich 47 Objekte in der Denkmalzone von Sobotište). Das erste Bauobjekt des Habanerhofes war die Mühle, um sie wurden dann ab dem Jahre 1546 die restlichen Bauten errichtet. Sie befand sich bis zum Jahre 1960 im Besitz der Habaner, danach verfiel sie langsam. Im Jahr 2000 unternahm man erste Sanierungen am Dachstuhl. Im Zuge dessen wurde die gesamte technische Einrichtung entfernt und ist leider nicht mehr erhalten. Im Jahr 2017 wurde dann das Projekt zur gesamtheitlichen Renovierung genehmigt, welches im Jahr 2018 gestartet wurde. Heute ist die Mühle ein Museum, das sich mit der Habanergeschichte der Slowakei widmet.
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Der nächste Punkt auf der Tagesordnung war die Besichtigung der Mühle in Podbranč. Dort lebt Želmíra Pagáćová nahezu autark. Die Mühle mit dem umliegenden Hof ist seit 1913 im Besitz ihrer Familie und ist nach wie vor vollständig erhalten - wenn auch nicht funktionstüchtig.
Am Nachmittag führte die Reise zuerst in eine Kaffeerösterei in Senica, wo frisch gerösteter Kaffee verkostet wurde und danach in das Penati Golf Resort. Das Resort, das die Karte der Spitzengolfressorts in Mitteleuropa bereicherte, ist in der Slowakei ein einzigartiges Projekt. Es befindet in der Region von Záhorie, bei der Stadt Senica. Das Areal erfüllt durch seine unübliche Fläche (217 Hektar) und insgesamt 36 Loch die Erwartungen eines breiten Spektrums von Spielern und Golfliebhabern.
Den Abschluss des zweiten Tages bildete der Besuch der Škodáček-Mühle in Senica.
In der Vergangenheit befanden sich in Čáčov vier Mühlen, heutzutage ist nur mehr die Škodáček-Mühle, die sogar ihre ursprüngliche Einrichtung bewahrt hat, erhalten.
Im Jahre 1943 wurde in der Mühle ein großer Umbau vollzogen, aus der einstöckigen wurde eine dreistöckige Mühle. Sie wurde von der Francisci-Wasserturbine angetrieben. Bis in das Jahr 1960 wurde in der Mühle an drei Walzenstühlen gemahlen. Im Jahre 1960 wurde die Mühle nationalisiert und ihre Verwaltung übernahm der Staatsbetrieb Landwirtschaftliche Versorgung und Einkauf in Bratislava. Es wurde kein Mehl mehr gemahlen und so begann die Mühle und seine Einrichtung allmählich zu verwahrlosen. Die Erneuerung der Geräte zum Mahlen des Mehles war zu kostspielig und unter den gewissen Umständen auch unrealistisch. Pavol Škodáček, der jüngste Sohn des Müllers, setzte nur das Schroten für die landwirtschaftlichen Tiere fort.
Der heutige Inhaber der Mühle heißt Peter Pivák. Er bemüht sich um die Aufbewahrung der Erinnerungen an die Zeiten, als die Mühle noch arbeitete. In den Jahren 2011 - 2014 wurde die Mühle gereinigt, neu gestrichen, an manchen Stellen wurde der Boden ausgebessert und alle drei Stockwerke zugänglich gemacht. Die Maschineneinrichtung wurde mit dem Motor und einer neuen Transmission, die die sich bewegende Walstühle und Steinzeug-Schrotmühle betreibt, ergänzt. In den Räumen befinden Sich zwei permanente Ausstellungen - "Die Geschichte von Čáčov" und "Die Mühlen und das Müllerhandwerk auf dem Gebiet von heutigen Senica".
Bei den Kirmesfeierlichkeiten, die in Čáčov immer im Herbst gehalten werden, ist die Mühle für die Öffentlichkeit zugänglich.


Am dritten und letzten Tag der Reise startete die Gruppe in Skalica. Den Beginn machte die Besichtigung der Mühle der Pilárikbrüder.
In den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde eine Wassermühle von den Brüdern Pilárik gekauft. Die alte Mühle wurde jedoch abgerissen und eine neue, dreistöckige gebaut, die mit elektrischem Antrieb arbeitete. Die Produktion startete im Jahr 1927, im Jahr 1939 wurde der elektrische Antrieb gegen einen Gasantrieb getauscht, da er sich als effektiver erwies. Es wurde hier Weizen, Roggen und Gerste gemahlen. Außer Mehl wurden auch Gries und Graupen produziert. Im Jahre 1951 wurde die Mühle nationalisiert, durch die Zeit gehörte sie mehreren staatlichen Mühlbetrieben in Bratislava, später in Piešťany, zu den Mühlen von Nitra. Am 30. Juni 1962 wurde sie definitiv geschlossen.
In der Gegenwart befindet sich die Mühle nach ihrer Rekonstruktion für die Öffentlichkeit zugänglich und ist sehr gut erhalten.

Nach der Mühle ging es weiter auf den Hauptplatz von Skalica. Da die Stadt weitestgehend von kriegerischen Zerstörungen verschont geblieben ist, besticht sie mit vielen interessanten Bauwerken. Nach einem erfolgreichen Aufstieg auf den Turm der Michaelskirche, konnte die Gruppe einen Blick auf den dreieckigen Hauptplatz werfen. Das Kulturhaus im Jugendstil und das Rathaus aus der Spätrenaissance fielen besonders auf.

Zurück in Holíč stand die Schlossbesichtigung auf dem Programm. Dabei handelt es sich um das Schwesternschloss von Schlosshof im Marchfeld. Das Schloss entstand an einer strategisch bedeutenden Stelle als Grenzfestung, die sehr wahrscheinlich bereits im 11. Jahrhundert als hölzerne Wasserburg bestand.
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Die kaiserlichen Jagdgesellschaften und ihr mehrere hundert Personen zählender Tross pendelten im Barock zwischen Schlosshof und Schloss Holíč, das der Gatte Maria Theresias, Franz Stephan von Lothringen, 1736 in Habsburgischen Besitz gebracht hat. Er ließ die mittelalterliche Wasserburg von den Hofarchitekten Hildebrandt und Jadot aufwändig umbauen. Um das Schloss herum erstrecken sich Wirtschaftsgebäude. Ein unterirdisches System von Burggängen aus dem 14. Jahrhundert erstreckt sich radial in alle Richtungen. Die Gänge verbinden heute nur noch das Schloss mit den Wirtschaftsgebäuden, es ist jedoch belegt, dass sie in früheren Zeiten unter anderem bis zum Gestüt nach Kopčany reichten.
Ein Teil des Schlosses ist gegenwärtig für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Obergeschoss befindet sich eine Kapelle, in der noch ein Marmoraltar und ein Teil der Wanddekoration erhalten sind. Der repräsentativste Raum im Schloss ist der "Chinesische Saal". Die Wände waren mit echten Ledertapeten bedeckt, die zum Schutz und zur Erhaltung abgebaut und saniert werden. Sie zeigen eine chinesische Landschaft aus der Zeit der Ming-Dynastie. Sobald das Schloss generalsaniert ist, werden auch die Ledertapeten wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkommen. 1970 wurde das Schloss zum Kulturdenkmal erklärt.

Am Nachmittag stattete man noch der Windmühle und dem Aussichtsturm einen Besuch ab. Beide Objekte sind Pilotinvestitionen des Projektes INTERREG V-A, SK-AT VISIO V305.
Die Windmühle gehörte zu den ältesten Windmühlen deutscher Art im Gebiet von Böhmen, Mähren und der Slowakei. Sie ist heutzutage die einzige erhaltene Windmühle der Slowakei. Das eindrucksvolle dreistöckige Mühlgebäude aus Stein stammt aus den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Ihr Fundament war ein gemauertes Gebäude mir kreisförmigem Grundriss. Das bewegliche Dach mit dem Windrad konnte nach Bedarf in alle Windrichtung gedreht werden. Die Windmühle hatte bis zum Jahr 1926 ein drehbares Kegeldach mit einem eingesetzten Windrad. Man ersetzte das Dach durch eine Kuppel aus Ziegeln. Die Mühle stellte nach dem Ersten Weltkrieg ihren Betrieb ein. Danach verfiel sie lange Zeit, bis sie im Jahr 1970 im Auftrag des hiesigen Jagdverbandes rekonstruiert wurde. Im Zuge des grenzüberschreitenden Projektes wurde sie nun von der Stadt Holíč zurückgekauft und renoviert. Die Wiederherstellung der Windmühle beinhaltet den Ersatz des Daches und des Windrades Dies soll den ursprünglichen Zustand der Mühle wiederherstellen und sie betriebstüchtig machen. Eine permanente Ausstellung über Mühlen wird in den Räumen der Windmühle installiert.

Der nahe gelegene Aussichtsturm entstand ebenfalls im Zuge des grenzüberschreitenden Projektes VISIO. Der kreisförmige Turm, dessen Form an eine Windmühle erinnert, ist 17,5 Meter hoch und in einer Kombination auf Stein und Holz gestaltet. Im Inneren wird eine permanente Ausstellung aufgebaut und zwei Informationspanoramen sowie zwei Ferngläser installiert.


Wichtige Eckdaten zum Projekt VISIO:
Das Projekt VISIO wird im Rahmen des Programms INTERREG V-A, SK-AT realisiert und vom ERDF kofinanziert.

Gesamtes Budget: 1 769 022 €
Davon die Stadt Hollabrunn: 1 197 867 €
Holíč: 571 154 €

Pilotinvestitionen Hollabrunn:
  • Teilsanierung der Alten Hofmühle
  • Errichtung eines Erlebnisweges zum Aussichtsturm

Pilotinvestitionen Holíč:
  • Errichtung eines Aussichtsturms am Hrebeň
  • Renovierung der Windmühle
  • Installierung eines Infokiosks

Ziel des Projektes VISIO ist die Nachhaltige Etablierung der beiden Städte Hollabrunn und Holíč auf der touristischen Landkarte der Region Weinviertel - Záhorie und die Attraktivierung als Ausflugs- und Reisedestinationen.

Nähere Informationen zum Projekt finden Sie unter: www.hollabrunn.gv.at/VISIO


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